Stell dir vor, du kaufst ein Bitcoin für 100.000 US-Dollar und verkaufst es ein Jahr später für eine Million. Du behältst den gesamten Gewinn von 900.000 US-Dollar - ohne eine einzige Steuer. In den meisten Ländern wäre das unmöglich. In den Vereinigten Arabischen Emiraten ist es legal. Seit Jahren gibt es dort keine persönliche Einkommensteuer auf Kryptogewinne - und das bleibt auch 2026 so.
Wie funktioniert die 0%-Steuer wirklich?
Die UAE hat keine persönliche Einkommensteuer. Das gilt für alles: Gehälter, Mieteinnahmen, Aktien, Immobilien - und eben auch Kryptowährungen. Ob du Bitcoin handelst, Ethereum stakest, NFTs verkaufst oder als Hobby miner neue Coins schürfst: alles steuerfrei. Es gibt keine Kapitalgewinnsteuer, keine Abgeltungssteuer, keine Anmeldepflicht. Du musst den Gewinn nicht einmal deklarieren.Diese Regelung gilt nur für Steuerresidenten. Das bedeutet: Du musst mindestens 183 Tage pro Jahr im Land leben. Ein Touristenvisum reicht nicht. Du brauchst eine Aufenthaltsgenehmigung - meistens die Goldene Visum, die für Investoren, Fachkräfte oder Selbstständige mit hohem Einkommen vergeben wird. Wer das hat, zahlt 0 % auf Kryptogewinne - egal wie groß sie sind.
Ein Beispiel: Eine Frau aus Deutschland kauft 5 Ethereum für 12.000 Euro. Sie zieht nach Dubai, bekommt ihr Golden Visa und hält die Coins drei Jahre. Als der Preis auf 40.000 Euro pro ETH steigt, verkauft sie sie. Ihr Gewinn: 140.000 Euro. In Deutschland hätte sie bis zu 42 % Steuern gezahlt. In den UAE? Null. Sie behält den vollen Betrag.
Was ist mit Unternehmen?
Hier wird es anders. Unternehmen zahlen Körperschaftsteuer - und zwar 9 % auf Gewinne über 375.000 AED (ca. 102.000 Euro). Das ist niedrig im Vergleich zu Europa, aber nicht null. Wenn du als Einzelperson handelst, bist du steuerfrei. Wenn du eine Firma gründest, um Krypto zu handeln oder zu staken, dann musst du dich an die Unternehmenssteuer halten.Es gibt aber eine Ausnahme: Qualifying Free Zone Persons (QFZP). Das sind Unternehmen, die in bestimmten Freizonen wie Dubai Multi Commodities Centre (DMCC) oder Abu Dhabi Global Market (ADGM) ansässig sind und bestimmte Regeln erfüllen. Sie können unter bestimmten Bedingungen ebenfalls 0 % Körperschaftsteuer zahlen - aber nur auf Einkünfte aus qualifizierten Aktivitäten. Das ist kompliziert, und viele Krypto-Unternehmen nutzen diese Option. Aber für den privaten Trader ist das irrelevant.
Warum ist das so attraktiv?
Vergleich mal die Zahlen:- Deutschland: bis zu 42 % auf Kryptogewinne, wenn du sie innerhalb eines Jahres verkaufst
- USA: bis zu 37 % Kapitalgewinnsteuer für hohe Einkommen
- UK: bis zu 28 % auf Kryptogewinne
- Frankreich: 30 % pauschale Abgeltungssteuer
- UAE: 0 % - komplett steuerfrei
Diese Diskrepanz zieht Tausende von Krypto-Investoren an. Viele von ihnen haben ihr Leben komplett umgekrempelt: Verkauft ihre Wohnungen in Berlin oder London, verlegt ihre Wallets nach Dubai, mieten eine Wohnung in Downtown, und zahlen von nun an keine Steuern mehr auf ihre Krypto-Gewinne. Einige haben Portfolios von mehr als 10 Millionen US-Dollar - und behalten jedes einzelne Dollar.
Dazu kommt: Die UAE hat keine Erbschaftssteuer, keine Vermögenssteuer, keine Zinsabschlagssteuer. Wenn du deine Krypto an deine Kinder übergibst - keine Steuer. Wenn du stirbst und dein Portfolio an deine Familie weitergibst - keine Steuer. Das ist einzigartig in der Welt.
Was ist mit VAT (Mehrwertsteuer)?
Ja, es gibt eine 5 % Mehrwertsteuer - aber sie greift nur bei bestimmten Dienstleistungen. Wenn du eine Krypto-Börse nutzt, um zu handeln, zahlt die Börse die Steuer, nicht du. Wenn du einen Krypto-Advisor bezahlst, könnte die Rechnung 5 % Mehrwertsteuer enthalten. Aber wenn du einfach Krypto kaufst, hältst oder verkaufst - keine VAT. Auch Mining und Staking als Privatperson fallen nicht unter VAT.Ein wichtiger Hinweis: Wenn du als Unternehmer Krypto als Zahlungsmittel annimmst (zum Beispiel für deine Dienstleistungen), musst du das als Einkommen buchen - und dann gilt die Körperschaftsteuer. Aber als Privatperson? Kein Problem.
Was ändert sich 2026/2027?
Die UAE hat sich im September 2025 auf das Crypto-Asset Reporting Framework (CARF) geeinigt. Das klingt nach einer Steuererhöhung - ist es aber nicht. CARF ist ein internationaler Standard, der von der OECD entwickelt wurde. Er verlangt, dass Krypto-Börsen, Wallet-Anbieter und Custodians ab 2027 Daten über Transaktionen von Residenten an die Steuerbehörden weitergeben - und diese dann automatisch mit anderen Ländern austauschen.Das bedeutet: Du musst dich nicht mehr selbst melden. Aber die Behörden wissen jetzt, was du besitzt. Warum? Um Geldwäsche und Steuerhinterziehung von Ausländern zu verhindern - nicht um dich zu besteuern. Die 0 %-Regel bleibt bestehen. Die Daten werden nur zur Compliance verwendet. Die erste automatische Datenübertragung erfolgt erst 2028.
Das ist ein wichtiger Punkt: Die UAE will nicht steuern. Sie will transparenz. Sie will die Reputation als seriöser Finanzplatz halten - aber ohne den Vorteil zu opfern, der Leute anzieht.
Wie wird man Resident?
Es ist kein Zuckerschlecken. Du kannst nicht einfach ein Ticket buchen und loslegen. Du brauchst:- Eine Aufenthaltsgenehmigung - meistens das Golden Visa (10 Jahre gültig)
- Mindestens 183 Tage pro Jahr physisch im Land zu verbringen
- Eine lokale Bankverbindung (oft schwierig ohne Einkommensnachweis)
- Eine Wohnung oder ein Büro als Anschrift
- Eventuell einen lokalen Rechtsberater oder Agenten
Die Kosten liegen zwischen 10.000 und 50.000 Euro, je nachdem, ob du dich selbst um die Papiere kümmerst oder einen Anwalt beauftragst. Die Bearbeitungszeit dauert 3 bis 6 Monate. Du musst auch deine Krypto-Transaktionen dokumentieren - Kaufpreise, Datum, Wallet-Adressen, Gebühren. Das ist nicht für die Steuer, sondern für die Geldwäsche-Kontrolle (AML).
Wenn du deine Krypto-Coins in eine Immobilie umwandeln willst, musst du nachweisen, woher das Geld kommt. Die Banken und Notare fragen danach. Aber das ist Standard - in der Schweiz, in Deutschland, überall.
Was ist mit Freelancern?
Wenn du als Freelancer Krypto als Bezahlung bekommst - und du bist Resident - dann ist das Einkommen steuerfrei. Keine Einkommensteuer, keine Sozialabgaben. Du kannst deine Rechnung in Bitcoin schreiben, den Betrag in USDT einlösen, und den Gewinn behalten. Das ist legal. Aber: Wenn du eine Firma hast, die Zahlungen in Krypto entgegennimmt, dann fällt das unter Körperschaftsteuer. Privatpersonen: steuerfrei. Unternehmen: 9 % oder 0 % in Free Zones.
Was ist mit NFTs und DeFi?
Alles gleich. NFT verkaufen? Steuerfrei. DeFi-Staking mit 15 % Rendite? Steuerfrei. Yield Farming in einem Protokoll? Steuerfrei. Du bekommst neue Tokens, verkaufst sie, machst Gewinn - keine Steuer. Die UAE betrachtet Krypto nicht als Währung, sondern als Vermögenswert. Und Vermögenswerte unterliegen keiner Kapitalgewinnsteuer.Was sind die Risiken?
Die größte Gefahr ist nicht die Steuer. Die größte Gefahr ist, dass du dich falsch verhältst. Wenn du denkst, du kannst als Deutscher weiterhin in Deutschland leben und nur mal zwei Monate in Dubai sein - dann bist du immer noch steuerpflichtig. Die deutsche Finanzbehörde prüft genau, wo du deinen Lebensmittelpunkt hast. Wenn du Familie, Job, Wohnung in Deutschland hast - dann bist du nicht Resident in den UAE.Auch: Wenn du deine Krypto-Transaktionen nicht dokumentierst, kannst du Probleme bekommen, wenn du Immobilien kaufst oder ein Bankkonto eröffnest. Die UAE ist nicht ein Land der Wildwest-Regeln. Sie ist ein Land mit klaren Regeln - und wenn du sie nicht einhältst, verlierst du dein Visum.
Und: Die Regeln können sich ändern. Aber bisher hat sich die 0 %-Regel seit 2018 nicht geändert. Die Regierung hat kein Interesse, diesen Vorteil aufzugeben. Sie will mehr Krypto-Unternehmen, mehr Investoren, mehr Geld - nicht mehr Steuereinnahmen.
Was kommt als Nächstes?
Die UAE wird weiterhin als globales Zentrum für Krypto investieren. Dubai baut gerade einen neuen Blockchain-Hub mit 10.000 Arbeitsplätzen. Abu Dhabi hat eine eigene Krypto-Börse gestartet. Die Regierung fördert Krypto-Startups mit Subventionen. Die 0 %-Steuer ist kein Zufall - sie ist Teil einer bewussten Strategie, das Land von Öl zu Technologie zu transformieren.Die nächste Welle wird aus Europa kommen: Freelancer, Trader, Entwickler, Unternehmer, die einfach keine Lust mehr haben, 40 % ihres Gewinns abzugeben. Sie ziehen nach Dubai, Abu Dhabi oder Ras Al Khaimah. Sie bringen ihr Geld, ihre Skills, ihre Netzwerke mit. Und sie zahlen - nichts.
Frequently Asked Questions
Kann ich als Deutscher einfach in die UAE ziehen und meine Kryptogewinne steuerfrei behalten?
Ja - aber nur, wenn du offiziell Steuerresident wirst. Das bedeutet: Du musst mindestens 183 Tage pro Jahr im Land leben, eine Aufenthaltsgenehmigung haben und deinen Lebensmittelpunkt dorthin verlegen. Solange du in Deutschland wohnst, arbeitest oder deine Familie hast, bleibst du steuerpflichtig - egal wie oft du nach Dubai fliegst.
Wird die 0%-Steuer bald abgeschafft?
Nein. Die Regierung hat kein Interesse daran. Die 0%-Steuer ist das wichtigste Verkaufsargument für das Land, um Investoren und Krypto-Unternehmen anzuziehen. Selbst mit dem neuen CARF-System bleibt die Steuerfreiheit bestehen. Es geht nur um Transparenz - nicht um Besteuerung.
Muss ich meine Krypto-Transaktionen dokumentieren?
Nicht für die Steuer - aber für die Banken und bei Immobilienkäufen. Wenn du eine Wohnung in Dubai mit Krypto kaufst, musst du nachweisen, woher das Geld kam. Deshalb: Speichere alle Kauf- und Verkaufsbelege, Wallet-Adressen, Transaktions-IDs und Gebühren. Ein einfacher Excel-Track oder eine Wallet-App mit Export-Funktion reicht.
Zahle ich Steuern, wenn ich Krypto als Lohn bekomme?
Als Privatperson: Nein. Du bekommst 1000 USDT als Zahlung - du verkaufst sie später für 1500 USDT - kein Steuer. Als Unternehmen: Ja. Wenn du eine Firma hast, die Krypto als Einkommen annimmt, ist das steuerpflichtiges Einkommen. Dann gilt die 9%-Körperschaftsteuer - oder 0 % in einer Free Zone, wenn du die Regeln erfüllst.
Ist die UAE sicher für Krypto-Investoren?
Ja - und zwar sehr. Die UAE hat klare Gesetze, starke Regulierungsbehörden wie the Securities and Commodities Authority (SCA) und die Central Bank, und eine hohe politische Stabilität. Die Infrastruktur ist modern, die Banken akzeptieren Krypto, und es gibt keine politischen Risiken wie in anderen Regionen. Die größte Herausforderung ist die Bürokratie - nicht die Sicherheit.
Ingrid Fuchshofer
Januar 30, 2026 AT 18:04Ich hab mein Bitcoin in Dubai gekauft, aber ich leb immer noch in Oslo 🤷♀️😂 Die Deutschen denken, sie können einfach ihre Steuern abschreiben, indem sie ein paar Tage in der Wüste rumliegen. LOL.
KAI T
Januar 31, 2026 AT 05:41Das ist ein klassisches Beispiel für wirtschaftlichen Kolonialismus. Die UAE nutzt die europäische Steuerflucht als Geschäftsmodell, während sie gleichzeitig die globalen Finanzregeln untergräbt. Sie verkaufen Freiheit – aber sie verkaufen auch Ihre Compliance als Ware. Sie haben keine Moral, nur Margin.
Stephan Noller
Februar 1, 2026 AT 11:53Und wer sagt, dass die UAE wirklich keine Steuern erhebt? Die Daten werden an die OECD weitergeleitet – und wer weiß, was die mit denen machen, wenn die USA mal Druck macht? Das ist kein Freibrief, das ist eine Falle mit goldenen Gittern.