Wenn Sie in Dubai eine Krypto-Company gründen oder eine bestehende Plattform ausbauen wollen, dann ist die Dubai Virtual Assets Regulatory Authority (VARA) Ihr wichtigster Ansprechpartner. Seit 2022 hat sich VARA als eine der strengsten und zugleich klarsten Regulierungsbehörden für digitale Vermögenswerte weltweit etabliert. Kein anderes Land in der Region bietet so viel Rechtssicherheit für Krypto-Unternehmen - aber auch keine andere Behörde stellt so hohe Anforderungen. Wer hier lizenziert werden will, muss bereit sein, nicht nur Geld, sondern auch Zeit, Struktur und Compliance-Kultur zu investieren.
Was genau macht VARA?
VARA ist die einzige Behörde in Dubai, die für alle Virtual Asset Service Providers (VASPs) außerhalb des DIFC zuständig ist. Das bedeutet: Wenn Sie eine Krypto-Börse, eine Custody-Lösung, einen Wallet-Anbieter oder einen Token-Emitter betreiben und in Dubai ansässig sind - egal ob in einem Free Zone oder auf dem Mainland - dann brauchen Sie eine VARA-Lizenz. Andere Behörden wie die DFSA im DIFC oder die FSRA in Abu Dhabi regulieren ähnliche Aktivitäten, aber nur VARA deckt den gesamten Dubai-Markt ab. Das macht sie zur Türöffnerin für fast alle internationalen Krypto-Unternehmen, die in die Region einsteigen wollen.
Welche Lizenzen gibt es und was kostet sie?
VARA unterscheidet zwischen sechs Hauptlizenztypen, und jede hat ihre eigenen Kapitalanforderungen und Compliance-Regeln:
- Austauschdienste (Exchange): Mindestens AED 5 Millionen (ca. 1,36 Millionen CHF) Kapital
- Broker-Dienste (Fiat-to-Virtual Asset oder Virtual-to-Virtual): AED 1 Million (ca. 270.000 CHF)
- Custody-Dienste: AED 4 Millionen (ca. 1,09 Millionen CHF)
- Übertragungsdienste (Transfer Services): AED 100.000 (ca. 27.000 CHF)
- Wallet-Anbieter: AED 100.000
- Token-Emission: AED 100.000
Wenn ein Unternehmen mehrere Lizenzen braucht - zum Beispiel Exchange plus Custody plus Broker - dann addieren sich die Kapitalanforderungen. Ein Anbieter, der alle drei großen Lizenzen anstrebt, muss mindestens AED 10 Millionen (ca. 2,7 Millionen CHF) in Eigenkapital einbringen. Das ist kein kleiner Betrag. Und das ist nur der Anfang.
Die Kosten über die Lebensdauer der Lizenz
Die Anmeldegebühr liegt zwischen AED 40.000 und 100.000. Danach kommen jährliche Aufsichtsgebühren von AED 80.000 bis 200.000 - je nach Lizenztyp und Unternehmensgröße. Hinzu kommen externe Prüfungen, IT-Sicherheitszertifizierungen und laufende Compliance-Kosten. Ein kleines Startup mit nur einer Wallet-Lizenz rechnet mit mindestens AED 250.000 (ca. 67.500 CHF) an ersten Kosten im ersten Jahr. Große Player zahlen oft über AED 1 Million jährlich. Es ist kein billiges Geschäft, aber es ist eines der saubersten.
Was muss Ihr Unternehmen alles vorweisen?
VARA verlangt mehr als nur Unterlagen. Sie verlangen ein funktionierendes System. Dazu gehören:
- Eine detaillierte Geschäftsplanung mit klaren Risikobewertungen
- Eine vollständige AML/CFT-Richtlinie, die den FATF-Standards entspricht
- KYC-Verfahren mit biometrischer Identifizierung und Liveness-Checks
- Eine technische Architektur, die Daten in der UAE speichert und vor Hackerangriffen schützt
- Eine Versicherung gegen Verluste durch Hackerangriffe oder Betrug
- Eine interne Compliance-Abteilung mit nachweisbarer Erfahrung
Es reicht nicht, ein Dokument zu schreiben. VARA prüft, ob Ihre Prozesse tatsächlich funktionieren. Sie führen Simulationen durch, testen Ihre Systeme und fragen nach Beweisen - nicht nach Versprechen. Unternehmen, die Compliance als nachträgliche Pflicht betrachten, scheitern fast immer. Wer es ernst meint, baut Compliance von Anfang an in die Kultur ein.
Was ist verboten?
VARA hat klare Grenzen gezogen. Seit 2023 ist der Handel mit anonymen Coins wie Monero und Zcash komplett verboten. Diese Tokens gelten als zu riskant für den Markt. Auch Marketing ist streng reguliert: Jede Werbekampagne - egal ob Social Media, Google Ads oder Print - muss vorab von VARA genehmigt werden. Sie müssen klare Risikohinweise einfügen, keine falschen Versprechen machen und keine irreführenden Vergleiche nutzen. Im Juni 2025 wurde zudem verlangt, dass jede Token-Emission ein aktualisiertes Whitepaper vorlegt, das die technische Umsetzung, die Verwendung der Mittel und die Risiken detailliert beschreibt.
Token-Klassifizierung: Drei Kategorien
VARA hat eine klare Klassifizierung für Token eingeführt:
- Kategorie 1: Asset-backed Tokens und Stablecoins - vollständige Lizenzpflicht
- Kategorie 2: Utility Tokens - nur Lizenz des Verteilers erforderlich
- Ausgenommen: Treuepunkte, In-Game-Credits - keine Lizenz nötig, aber unter Aufsicht
Das bedeutet: Wenn Sie einen Token herausbringen, der nur als Zugang zu einer App dient, brauchen Sie keine vollständige Lizenz. Aber wenn er Wert repräsentiert - wie Aktien, Immobilien oder Rohstoffe - dann ist VARA Ihr einziger Ansprechpartner.
Warum ist VARA anders als andere Regulierer?
Vergleichen Sie VARA mit der FINMA in der Schweiz oder der MAS in Singapur. Alle drei sind streng. Aber VARA hat einen entscheidenden Vorteil: Sie arbeitet digital. Der gesamte Antragsprozess läuft online. Sie können Dokumente hochladen, digitale Prüfungen durchführen und sogar virtuelle Audits absolvieren. Das reduziert Wartezeiten erheblich. Während in Europa manchmal ein Jahr vergeht, bis ein Antrag bearbeitet wird, dauert es bei VARA durchschnittlich 3-6 Monate - vorausgesetzt, Ihre Unterlagen sind vollständig.
Zudem hat VARA keine Lobbyisten. Sie entscheiden nicht nach politischem Druck, sondern nach technischen Standards. Sie haben klare Regeln, und sie durchsetzen sie. Das macht sie zu einem verlässlichen Partner für Unternehmen, die langfristig in der Region Fuß fassen wollen.
Wer hat schon eine Lizenz?
Als 2025 über 120 Unternehmen lizenziert wurden, war das ein Meilenstein. Dazu gehören globale Namen wie Binance, Crypto.com, OKX und Bybit. Diese Unternehmen haben nicht nur ihre Registrierung abgeschlossen, sondern auch ihre gesamte Infrastruktur nach VARA-Standards umgestellt. Sie haben ihre Server in Dubai platziert, ihre Compliance-Teams aufgestockt und ihre Marketing-Kanäle neu gesteuert. Das zeigt: VARA ist kein Hindernis - sie ist eine Voraussetzung für den Erfolg in der Region.
Was passiert, wenn man nicht lizenziert ist?
Ohne VARA-Lizenz dürfen Sie in Dubai keine Krypto-Dienstleistungen anbieten. Keine Börse, kein Wallet, keine Token-Emission. Wer das ignoriert, riskiert nicht nur Geldstrafen - bis zu AED 10 Millionen - sondern auch die Schließung des Unternehmens und die Sperrung von Bankkonten. Einige Unternehmen haben versucht, über Drittstaaten zu operieren, aber VARA kooperiert mit internationalen Behörden. Wenn Sie in Dubai Kunden haben, sind Sie in ihrer Reichweite.
Wie geht es weiter?
VARA arbeitet bereits an neuen Lizenztypen. Im Gespräch sind spezielle Regeln für DAOs (dezentrale autonome Organisationen) und komplexe DeFi-Protokolle. Auch die Überwachung von Cross-Border-Transaktionen wird verschärft. Die Behörde arbeitet eng mit der FATF und der EU zusammen, um Standards zu harmonisieren. Das bedeutet: Was heute gilt, wird morgen nur noch strenger. Wer jetzt anfängt, hat einen klaren Vorsprung.
Was brauchen Sie, um loszulegen?
Erstens: Ein legaler Sitz in Dubai - entweder in einer Free Zone oder auf dem Mainland. Zweitens: Ein echter Businessplan, kein Marketing-Text. Drittens: Eine echte Compliance-Abteilung, nicht nur ein externer Berater. Viertens: Bereitschaft, mindestens 1-2 Jahre in Aufbau und Anpassung zu investieren. Und fünftens: Geduld. Die Anträge werden nicht am Tag nach der Einreichung genehmigt. Aber wenn Sie alles richtig machen, wird die Lizenz nicht nur eine Genehmigung - sie wird ein Markenzeichen.
Kann ich als Ausländer eine VARA-Lizenz bekommen?
Ja, absolut. Ausländische Investoren können in Dubai-Freizonen 100%ige Eigentümeranteile halten und danach eine VARA-Lizenz beantragen. Viele internationale Krypto-Unternehmen haben diesen Weg genutzt. Sie gründen eine Tochtergesellschaft in einer Free Zone wie DMCC oder DIFC, bauen dort ihr Team auf und beantragen dann die Lizenz. VARA prüft nicht die Nationalität des Eigentümers, sondern die Struktur, die Compliance und die finanzielle Stabilität des Unternehmens.
Wie lange dauert die Genehmigung?
Bei vollständigen und korrekten Unterlagen liegt die durchschnittliche Bearbeitungszeit zwischen 3 und 6 Monaten. Wenn Dokumente fehlen oder unklar sind, kann es bis zu 12 Monate dauern. VARA gibt keine Frist vor, aber sie reagieren schnell auf vollständige Anträge. Unternehmen, die vorab mit den Behörden sprechen, erhalten oft Feedback und können ihren Antrag optimieren - das spart Zeit.
Gibt es eine Mindestanzahl an Mitarbeitern?
Ja. VARA verlangt, dass mindestens zwei qualifizierte Mitarbeiter in der UAE ansässig sind, die für Compliance, Technik und Risikomanagement zuständig sind. Diese Personen müssen über nachgewiesene Erfahrung in Finanzdienstleistungen oder Blockchain-Technologien verfügen. Ein einzelner CEO reicht nicht - es braucht ein Team, das täglich arbeitet, nicht nur auf dem Papier existiert.
Muss ich meine Server in Dubai haben?
Ja. Alle Kundendaten, Transaktionsprotokolle und Compliance-Aufzeichnungen müssen physisch in den Vereinigten Arabischen Emiraten gespeichert werden. Cloud-Dienste wie AWS oder Azure sind erlaubt - aber nur, wenn die Serverstandorte in Dubai oder Abu Dhabi liegen. Daten dürfen nicht außerhalb der UAE gespeichert werden, es sei denn, es handelt sich um verschlüsselte Backups, die nicht zugänglich sind.
Wie sieht es mit Steuern aus?
Dubai hat keine Körperschaftssteuer für Krypto-Unternehmen - solange sie keine Gewinne aus inländischen Quellen erzielen. Das bedeutet: Wenn Ihr Unternehmen nur ausländische Kunden bedient, zahlen Sie in der Regel keine Steuern. VARA selbst erhebt keine Steuern, sondern nur Lizenzgebühren. Allerdings müssen Sie die Transaktionen dokumentieren, da die UAE in Zukunft möglicherweise internationale Steuerstandards (wie FATF oder OECD) übernimmt.