Im Jahr 2025 hat sich die Lage für Krypto-Nutzer in Syrien grundlegend verändert. Was jahrelang als undurchdringliche Wand aus US-Sanktionen wirkte, ist plötzlich weggebrochen. Seit dem 1. Juli 2025 sind die umfassenden Wirtschaftssanktionen gegen Syrien offiziell aufgehoben. Das bedeutet: Syrische Bürger können jetzt legal mit US-basierten Kryptobörsen, Wallet-Anbietern und DeFi-Plattformen interagieren. Keine Geheimkanäle mehr. Keine riskanten Umwege über Drittstaaten. Keine Angst vor Geldwäsche-Vorwürfen oder Strafen von bis zu 20 Millionen US-Dollar.
Was genau ist passiert?
Am 30. Juni 2025 hat Präsident Trump mit der Exekutivverordnung 14312 sechs jahrzehntealte Sanktionsverordnungen aufgehoben, die seit 2004 das Finanzsystem Syriens isoliert hatten. Diese Verordnungen hatten jegliche Transaktion zwischen US-Personen und syrischen Bürgern verboten - inklusive Kryptowährungen. Dazu gehörten auch die Syrian Sanctions Regulations (SySR), die als offizielle Rechtsgrundlage dienten. Am 26. August 2025 wurden diese schließlich aus dem Bundesgesetzbuch gestrichen. Die SySR existieren nicht mehr.Parallel dazu wurden 518 Einzelpersonen und Organisationen von der SDN-Liste (Liste der besonders designierten Nationals und blockierten Personen) entfernt. Das sind Menschen, die vorher als „gesperrt“ galten - selbst wenn sie nichts mit dem Assad-Regime zu tun hatten. Jetzt können sie wieder Krypto-Konten eröffnen, Stablecoins handeln oder an DeFi-Protokollen teilnehmen, ohne dass eine US-Bank sie automatisch blockiert.
General License 25: Der Schlüssel zur Legalität
Der entscheidende Durchbruch kam mit der General License 25, die am 28. Mai 2025 veröffentlicht wurde. Diese Lizenz erlaubt allen syrischen Bürgern, Transaktionen mit US-Unternehmen durchzuführen, die zuvor unter den Sanktionen verboten waren. Das gilt für:- Den Kauf und Verkauf von Bitcoin, Ethereum und anderen Kryptowährungen auf US-Börsen wie Coinbase oder Kraken
- Die Nutzung von Wallets wie MetaMask, Trust Wallet oder Ledger, die in den USA registriert sind
- Teilnahme an DeFi-Protokollen wie Aave, Compound oder Uniswap
- Den Empfang von Zahlungen von US-Bürgern oder Unternehmen in Kryptowährung
Diese Lizenz ist nicht bedingt. Sie gilt für alle syrischen Bürger - unabhängig von Beruf, Region oder politischer Zugehörigkeit. Es ist eine pauschale Erlaubnis. Keine Anträge. Keine Genehmigungen. Keine Ausnahmen. Nur eine klare Regel: Alles, was vorher verboten war, ist jetzt erlaubt.
Was bleibt verboten?
Die Aufhebung der umfassenden Sanktionen bedeutet nicht, dass alles erlaubt ist. OFAC hat die Sanktionsstruktur nicht abgeschafft - sie hat sie verfeinert. Die neue Bezeichnung lautet jetzt: Promoting Accountability for Assad and Regional Stabilization Sanctions Regulations (PAARSS). Und dahinter steckt ein neues Prinzip: Gezielte Sanktionen statt Kollektivstrafen.Während normale Syrer jetzt frei handeln können, bleiben Sanktionen bestehen für:
- Mitglieder des Assad-Regimes und ihrer Familien
- Personen, die mit Menschenrechtsverletzungen in Verbindung stehen
- Handelnde im Captagon-Handel (Syrien ist eine der Hauptquellen für dieses Drogenmittel)
- Personen, die mit ISIS, Al-Qaida oder iranischen Milizen verbunden sind
- Unternehmen, die militärische oder chemische Technologien liefern
Das ist der neue Engpass: Kryptobörsen und Wallet-Anbieter müssen jetzt prüfen, ob ein syrischer Nutzer zu einer dieser Gruppen gehört. Sie können nicht einfach alle Syrer blockieren - das wäre jetzt illegal. Aber sie dürfen auch nicht blind alle Syrer akzeptieren. Sie brauchen Screening-Tools, die zwischen legitimen Nutzern und verbotenen Akteuren unterscheiden.
Wie funktioniert das in der Praxis?
Stell dir vor, ein syrischer Bürger in Damaskus möchte auf Coinbase ein Konto eröffnen. Vor 2025 war das unmöglich. Jetzt ist es legal - aber nicht automatisch. Coinbase muss:- Den Namen des Nutzers gegen die verbleibende SDN-Liste prüfen
- Die IP-Adresse analysieren (z. B. ob sie von einem bekannten Regime-Unternehmen stammt)
- Die Bankverbindung prüfen (wenn er eine syrische Bank nutzt, die noch gesperrt ist)
- Den Transaktionsverlauf überprüfen (z. B. ob er Geld von einem gesperrten Händler erhalten hat)
Das ist kein einfacher Prozess. Viele kleine Krypto-Plattformen haben diese Tools nicht. Sie müssen sich entscheiden: Entweder sie verweigern syrischen Nutzern den Zugang - und riskieren, ihre eigenen Nutzer zu verlieren - oder sie akzeptieren sie und riskieren Strafen, wenn sie einen gesperrten Akteur übersehen.
Was bedeutet das für den syrischen Krypto-Markt?
Die Auswirkungen sind bereits sichtbar. Seit August 2025 ist die Zahl der neuen Krypto-Konten von Syrern auf US-Börsen um über 300 % gestiegen. Die Nutzung von Stablecoins wie USDT und USDC hat sich verdreifacht - sie sind die neue Währung für Lebensmittel, Miete und Medikamente. Viele Syrer nutzen jetzt Krypto, um Geld von Verwandten im Ausland zu erhalten, ohne durch Banken oder Wechselstuben gehen zu müssen.Auch der Zugang zu Mining-Ausrüstung hat sich verbessert. Die Bureau of Industry and Security (BIS) hat im September 2025 eine neue Ausfuhrerlaubnis namens Syria Peace and Prosperity (SPP) eingeführt. Damit dürfen jetzt alle nicht-kriegswichtigen Technologien - einschließlich ASIC-Miner, Server, Netzwerkkabel und Blockchain-Software - legal nach Syrien exportiert werden. Früher brauchte man eine spezielle Lizenz. Jetzt kann ein syrischer Tech-Enthusiast online einen Miner bestellen und ihn per DHL erhalten.
Was kommt als Nächstes?
OFAC kündigte an, bis Ende 2026 eine neue, detailliertere Version der PAARSS-Verordnung zu veröffentlichen. Das könnte bedeuten:- Neue Definitionen: Was ist ein „syrischer Bürger“? Was zählt als „regime-affiliert“?
- Weitere General Licenses: Vielleicht für Energieprojekte, digitale Bildung oder medizinische Krypto-Transaktionen
- Technische Standards: Vorgaben für Krypto-Plattformen, wie sie Screening-Systeme aufbauen müssen
Einige Experten warnen: Die neue Regelung ist ein Experiment. Wenn sie funktioniert, könnte sie als Modell für andere Länder dienen - etwa Venezuela oder Sudan. Wenn sie scheitert, könnte die US-Regierung zurückrudern. Die Krypto-Welt ist jetzt der Testfeld für eine neue Art von Sanktionen: Nicht mehr „alle blockieren“, sondern „nur die Schuldigen treffen“.
Was müssen syrische Krypto-Nutzer jetzt tun?
Wenn du ein syrischer Bürger bist und Kryptowährung nutzen willst, hier ist, was du jetzt tun solltest:- Prüfe deine Identität: Bist du oder jemand in deiner direkten Familie auf der SDN-Liste? Wenn ja, dann ist dein Zugang weiterhin eingeschränkt.
- Verwende nur regulierte Plattformen: Coinbase, Kraken, Binance (außer US-Version), Bitstamp - diese haben Compliance-Systeme. Vermeide unbekannte Börsen.
- Vermeide Transaktionen mit bekannten Sanktionsträgern: Selbst wenn du legal bist, kann eine Transaktion mit einem gesperrten Account dein Konto blockieren.
- Dokumentiere deine Einkünfte: Halte Nachweise für Geldtransfers - besonders wenn sie aus dem Ausland kommen. Das hilft bei Überprüfungen.
- Verwende Stablecoins für Alltagstransaktionen: USDT und USDC sind stabil, schnell und akzeptiert. Sie ersetzen den syrischen Pfund als praktische Währung.
Die Änderung ist nicht nur juristisch. Sie ist menschlich. Tausende Syrer, die jahrelang von der globalen Finanzwelt abgeschnitten waren, können jetzt wieder teilhaben. Sie können Geld senden. Sie können investieren. Sie können überleben. Kryptowährung ist nicht mehr ein Luxus - sie ist eine Lebenslinie.
Können syrische Bürger jetzt legal Bitcoin kaufen?
Ja. Seit August 2025 ist es für alle syrischen Bürger legal, Bitcoin und andere Kryptowährungen auf US-basierten Börsen wie Coinbase oder Kraken zu kaufen. Dies ist durch die General License 25 gedeckt, die alle vorherigen Handelsverbote aufhebt - sofern der Nutzer nicht auf der SDN-Liste steht.
Was passiert, wenn ein Syrer ein Konto auf einer US-Börse eröffnet?
Die Börse prüft automatisch, ob der Nutzer auf der SDN-Liste steht. Wenn nicht, wird das Konto freigeschaltet. Wenn ja, wird es abgelehnt. Die Börse muss nicht mehr alle syrischen Nutzer blockieren - nur noch die, die mit dem Regime, Terrorismus oder Drogenhandel verbunden sind.
Warum wurden 518 Personen von der SDN-Liste entfernt?
Diese Personen waren unter den alten umfassenden Sanktionen gesperrt, obwohl sie nichts mit dem Assad-Regime zu tun hatten. Ihre Entfernung ist Teil der neuen Politik: Keine Kollektivstrafen mehr. Nur noch gezielte Sanktionen gegen echte Verantwortliche - wie Regierungsmitglieder, Menschenrechtsverletzer oder Drogenhändler.
Kann ein Syrer jetzt Mining-Ausrüstung aus den USA bestellen?
Ja. Seit September 2025 erlaubt die neue Exporterlaubnis „Syria Peace and Prosperity (SPP)“ den freien Export von fast allen nicht-militärischen Technologien nach Syrien - inklusive ASIC-Miner, Server, Netzwerkgeräten und Blockchain-Software. Früher war das fast unmöglich.
Brauchen syrische Nutzer jetzt eine Genehmigung von OFAC?
Nein. Die General License 25 ist eine pauschale Erlaubnis. Es gibt keine Antragspflicht. Solange du nicht auf der SDN-Liste stehst und keine Transaktionen mit gesperrten Akteuren durchführst, darfst du ohne Genehmigung Kryptowährungen nutzen.