2Januar
Rechtlicher Status von Kryptowährungen im Iran: Was erlaubt ist und was verboten bleibt
Veröffentlicht von Edward Windsor

Im Iran ist der Umgang mit Kryptowährungen kein Schwarz-Weiß-Thema. Es gibt keine totale Verbotspolitik - aber auch keine freie Marktwirtschaft. Stattdessen regiert eine strenge, zentralisierte Kontrolle, die das Potenzial digitaler Währungen nutzen will, ohne die Macht des Staates zu gefährden. Seit 2019 ist Kryptominen legal - aber nur, wenn der Staat mitmacht. Wer ohne Genehmigung minet, riskiert nicht nur Geldstrafen, sondern auch die Beschlagnahmung seiner Geräte. Und wer handelt, muss mit der ständigen Überwachung der Zentralbank rechnen.

Was ist erlaubt? Der offizielle Rahmen

Die Zentralbank des Iran (CBI) hat im Januar 2025 ein neues Regelwerk veröffentlicht, das den gesamten Kryptomarkt unter ihre Kontrolle bringt. Seitdem ist jede Form von Kryptowährungstransaktion - ob Mining, Handel oder Austausch - nur noch mit einer offiziellen Lizenz erlaubt. Die CBI ist die einzige Stelle, die diese Lizenzen ausstellt. Kein privates Unternehmen, keine Börse, kein Miner darf ohne sie arbeiten.

Miner müssen sich beim Ministerium für Industrie, Bergbau und Handel registrieren und dürfen nur von der Regierung zugelassene Hardware verwenden. Sie müssen auch den Strompreis zahlen, den der Staat für Exporte festlegt - nicht den subventionierten Inlandspreis. Das ist kein Zufall: Der Staat will nicht, dass Kryptominen das nationale Stromnetz überlastet. In den ersten sieben Monaten von 2025 wurden über 1.000 legale Minenlizenzen ausgestellt. Doch Experten schätzen, dass noch immer 95 % der Minen illegal laufen.

Ein wichtiger Teil des Systems ist das NIMA-System - die Nationale Iranische Wechselstube. Alle legalen Miner müssen ihre gewonnenen Kryptowährungen an die CBI verkaufen, über NIMA. Das Geld fließt direkt in die Staatskasse. So kontrolliert der Staat nicht nur die Technik, sondern auch den Geldfluss. Wer Kryptowährungen kaufen will, muss das über CBI-geprüfte Plattformen tun. Die Börse Nobitex behält mit 87 % Marktanteil ihre dominante Position, obwohl das Gesamtvolumen im Vergleich zu 2024 um 11 % zurückgegangen ist.

Was ist verboten? Die Grenzen der Freiheit

Es gibt kein Verbot von Bitcoin oder Ethereum - aber es gibt ein Verbot von Unabhängigkeit. Jede Transaktion muss nachvollziehbar sein. Jeder Benutzer muss sich mit echtem Namen und Identität registrieren. Keine anonymen Wallets. Keine unregistrierten Austauschplattformen. Wer versucht, das zu umgehen, riskiert eine Strafe von bis zu 10 Jahren Gefängnis, wie es in den offiziellen Richtlinien steht.

Die Regierung hat auch eine Kampagne gestartet, um illegale Minen zu melden. Bürger können anonym Tipps geben - und werden sogar mit Belohnungen belohnt. Bis August 2025 wurden über 100 illegale Minenfarmen geschlossen und mehr als 250.000 Mining-Geräte beschlagnahmt. Die Ministry of Energy hat zudem strenge Stromgrenzen für jede Lizenz eingeführt. Wer mehr verbraucht, als erlaubt, bekommt keine neue Lizenz - und seine Geräte werden beschlagnahmt.

Und dann gibt es noch das Problem der Sanktionen. Internationale Zahlungssysteme wie SWIFT sind für den Iran gesperrt. Deshalb nutzen viele Iraner Kryptowährungen, um Geld ins Ausland zu schicken - oder Importe zu bezahlen. Doch auch das ist gefährlich. Tether hat im Juli 2025 alle Wallets mit iranischer IP-Adresse eingefroren. Das hat eine Panik ausgelöst. Plötzlich war USDT, das bis dahin das meistgenutzte Stablecoin war, nicht mehr sicher. Die Lösung? Der Umstieg auf DAI auf dem Polygon-Netzwerk. Das ist kein Zufall. Polygon ist weniger reguliert, und DAI ist dezentral. Iranische Börsen und Influencer haben massiv dafür geworben. Es war eine der größten Selbstorganisationen im iranischen Krypto-Ökosystem - und sie geschah trotz, nicht wegen der Regierung.

Familie tauscht Kryptowährung gegen Lebensmittel in einem iranischen Markt unter staatlicher Aufsicht.

Steuer auf Gewinne - ein neues Zeitalter

Im August 2025 trat ein neues Gesetz in Kraft: die Besteuerung von Spekulationsgewinnen. Kryptowährungen gelten nun offiziell als spekulatives Gut - genau wie Gold, Immobilien oder Devisen. Wer Gewinne macht, muss sie versteuern. Die Steuer wird schrittweise eingeführt, beginnend im dritten Quartal 2025. Die Regierung will damit nicht nur Einnahmen generieren, sondern auch den Markt legitimieren. Es ist ein klares Signal: Kryptowährungen sind hier, um zu bleiben - aber nur, wenn sie unter Kontrolle bleiben.

Die Wirtschaftsministerin hat öffentlich gesagt, dass die Regierung den Ansatz „regulieren statt verbieten“ unterstützt. Doch gleichzeitig kritisiert sie die Internetfilter, die den Zugang zu globalen Plattformen erschweren. Sie fordert eine einzige, staatlich genehmigte Plattform, auf der alle iranischen Krypto-Nutzer zusammenkommen. Das klingt nach Effizienz - aber es ist auch eine Möglichkeit, alles in einem System zu überwachen.

Iranischer goldgedeckter Stablecoin wird von Staat und Russland entwickelt, mit Blockchain-Netzwerk und Überwachung.

Warum nutzen die Menschen es trotzdem?

Die Antwort ist einfach: Inflation. Der iranische Rial hat seit 2018 mehr als 80 % seines Wertes verloren. Die Preise für Essen, Medikamente und Benzin steigen täglich. Viele Familien haben kein Konto mehr bei einer Bank - weil die Banken nicht mehr vertrauenswürdig sind. Kryptowährungen sind die letzte Möglichkeit, Geld zu speichern, das nicht von der Regierung manipuliert werden kann.

Obwohl die Regierung versucht, den Handel zu kontrollieren, nutzen Millionen von Iranern Kryptowährungen für den Alltag. Sie kaufen Lebensmittel über lokale Händler, die Kryptos akzeptieren. Sie schicken Geld an Verwandte im Ausland. Sie tauschen Kryptos gegen Gold oder Dollar - auf dem Schwarzmarkt. Die Regierung kann das nicht vollständig stoppen. Sie kann nur versuchen, den größten Teil davon in ihr System zu zwingen.

Und das funktioniert - teilweise. Der Gesamtumsatz an Kryptowährungen im Iran lag zwischen Januar und Juli 2025 bei 3,7 Milliarden US-Dollar. Das ist zwar weniger als im Vorjahr, aber immer noch eine enorme Summe. Die meisten Transaktionen sind klein - oft unter 100 US-Dollar. Sie kommen nicht von Händlern oder Unternehmen. Sie kommen von Familien, die versuchen, ihre Ersparnisse zu retten.

Die Zukunft: Kontrolle oder Konvergenz?

Der Iran arbeitet an einem eigenen Gold-gedeckten Stablecoin in Zusammenarbeit mit Russland. Das ist kein Zufall. Es geht darum, eine eigene Währung zu schaffen, die nicht von den USA oder Europa kontrolliert wird. Wenn das funktioniert, könnte es die Grundlage für einen neuen Handelsblock bilden - fernab von SWIFT und dem Dollar.

Aber das ist langfristig. Kurzfristig bleibt die Realität: Jeder, der Kryptowährungen im Iran nutzt, lebt in einem System, das ihn beobachtet. Die Zentralbank kennt deine Transaktionen. Dein Miner ist registriert. Dein Konto ist verknüpft. Du hast keine Anonymität. Und wenn du gegen die Regeln verstößt, gibt es keine zweite Chance.

Die iranische Regierung hat eine klare Botschaft: Wir akzeptieren Kryptowährungen - aber nur, wenn sie uns dienen. Die Menschen nutzen sie, um zu überleben. Der Staat nutzt sie, um zu kontrollieren. Beide Seiten spielen ein Spiel, das kein Ende kennt. Und wer hier mitmacht, muss wissen: Es gibt keinen freien Markt. Nur einen, der von oben gesteuert wird.

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