Im Jahr 2026 zieht es immer mehr US-Bürger, die in Kryptowährungen investiert haben, dazu, ihre amerikanische Staatsbürgerschaft aufzugeben. Nicht aus politischen Gründen, nicht aus Unzufriedenheit mit der Regierung - sondern wegen einer einfachen, aber schmerzhaften Wahrheit: Die USA verlangen Steuern auf alles, was du auf der Welt verdienst - egal wo du lebst. Und bei Krypto-Profiteen, die mit Bitcoin oder Ethereum Millionen gemacht haben, wird das zur finanziellen Belastung, die kaum noch zu tragen ist.
Die USA sind weltweit das einzige Land, das seine Bürger auf weltweite Einkünfte besteuert. Das bedeutet: Du lebst in Zürich, hast deine Bitcoins auf einer Schweizer Börse gehandelt, und trotzdem musst du dem IRS (Internal Revenue Service) jedes Jahr sagen, wie viel Gewinn du gemacht hast. Und das, obwohl du in der Schweiz keine Steuern auf Krypto-Gewinne zahlen musst. Ein unmöglicher Widerspruch - und genau deshalb entscheiden sich immer mehr reiche Krypto-Investoren dafür, ihre US-Staatsbürgerschaft aufzugeben.
Wie funktioniert das Aufgeben der Staatsbürgerschaft?
Es ist nicht einfach, Amerikaner zu werden - aber es ist noch schwieriger, es wieder loszuwerden. Du kannst nicht einfach einen Brief schreiben und fertig. Du musst persönlich vor einem US-Konsulat erscheinen - meist in Zürich, Madrid oder Mexiko-Stadt - und einen kompletten Prozess durchlaufen. Die Gebühr dafür beträgt aktuell 2.350 US-Dollar. Das ist nur der Anfang.
Dann kommt die echte Hürde: die Exit Tax. Die USA behandeln dich nicht wie einen einfachen Auswanderer. Sie behandeln dich wie jemanden, der gerade vorhat, alle seine Vermögenswerte zu verkaufen - und das an einem Tag, der vor deiner Aufgabe liegt. Alles, was du besitzt: Immobilien, Aktien, Krypto-Wallets, Privatflugzeuge - alles wird als verkauft angesehen. Und du zahlst Kapitalertragssteuer auf den Gewinn, den du gemacht hast.
Doch nicht jeder zahlt diese Steuer. Nur sogenannte "covered expatriates". Das sind drei Gruppen:
- Du hast ein Nettovermögen von mehr als 2 Millionen US-Dollar am Tag der Aufgabe.
- Du hast in mindestens drei der letzten fünf Jahre eine durchschnittliche US-Einkommensteuerlast von über 206.000 US-Dollar pro Jahr gezahlt.
- Du kannst nicht nachweisen, dass du in den letzten fünf Jahren alle US-Steuererklärungen abgegeben hast - auch wenn du nie in den USA gelebt hast.
Wenn du in eine dieser Kategorien fällst, wird dir die Exit Tax aufgebrummt. Und die Steuersätze können bis zu 23,8 % betragen - das ist die Kombination aus Kapitalertragssteuer und Medizinalabgabe. Bei einem Krypto-Portfolio von 10 Millionen Dollar könnte das eine Steuerlast von mehr als 2 Millionen Dollar bedeuten.
Wie vermeidet man die Exit Tax?
Es gibt Wege - aber sie sind kompliziert, teuer und erfordern jahrelange Planung. Die meisten erfolgreichen Fälle arbeiten mit einem klaren Zeitplan, der oft fünf bis sieben Jahre dauert.
Ein gängiger Trick: Du gibst deine Vermögenswerte vor der Aufgabe an Familienmitglieder weiter. Aber nicht als Geschenk mit sofortigem Verlust. Sondern als Verkauf zu Marktwert - oder mit einem vertraglich festgelegten Nutzungsrecht. Ein Beispiel: Du überträgst 1 Million Dollar an Bitcoin an dein Kind, behältst aber das Recht, die Coins weiterhin zu verwalten und zu handeln. Das ist legal - und es senkt dein Nettovermögen unter die 2-Millionen-Dollar-Grenze.
Ein weiterer Trick: Du wartest. Wenn du in den letzten fünf Jahren viel verdient hast - aber jetzt weniger -, dann warte, bis deine durchschnittliche Steuerlast unter 206.000 Dollar fällt. Das kann bedeuten, dass du zwei Jahre lang nur wenig Krypto handelst, um die Durchschnittszahl zu senken. Es klingt verrückt - aber es funktioniert.
Und dann gibt es noch die Strategie der "doppelten Staatsbürgerschaft". Viele Leute holen sich zuerst eine zweite Staatsbürgerschaft - meist in einem Land mit Krypto-Freundlichkeit - und erst dann geben sie die US-Staatsbürgerschaft auf. So vermeiden sie, staatenlos zu werden.
Welche Länder sind krypto-freundlich?
Nicht jedes Land ist gleich. Einige haben klare, transparente Regeln - andere verstecken sich hinter vagen Aussagen. Hier sind die Top-5-Orte, die Krypto-Investoren aktuell bevorzugen:
- Schweiz: Keine Kapitalertragssteuer auf Krypto, wenn es als Privatvermögen gehalten wird. Zürich ist ein Hotspot für Blockchain-Unternehmen. Die Banken dort akzeptieren Krypto-Depots. Die Steuererklärung ist einfach - und die Behörden sind kooperativ.
- Portugal: Keine Besteuerung von Krypto-Gewinnen für Privatpersonen - seit 2018. Nur wenn du als Unternehmen handelst, wird es besteuert. Ideal für Einzelpersonen.
- Deutschland: Krypto-Gewinne unter 600 Euro pro Jahr steuerfrei. Über 600 Euro? Dann wird es besteuert - aber mit dem persönlichen Einkommensteuersatz, nicht mit einer Sondersteuer. Und wenn du Coins länger als ein Jahr hältst, ist der Gewinn steuerfrei.
- Georgien: Keine Krypto-Steuer, keine Anmeldungspflicht, keine Meldepflicht. Einfach, billig, effektiv.
- Singapur: Keine Kapitalertragssteuer, aber strenge AML-Regeln. Gute Infrastruktur, aber hohe Lebenskosten.
Malta hat zwar ein "Citizenship by Investment"-Programm - aber es ist teuer, langsam und politisch riskant. Viele Experten raten davon ab. Die Schweiz und Deutschland sind die realistischeren Optionen.
Was passiert nach der Aufgabe?
Wenn du deine US-Staatsbürgerschaft aufgegeben hast, ist es endgültig. Keine Rückkehr. Keine zweite Chance. Du kannst nicht einfach sagen: "Ich hab’s nicht ernst gemeint."
Du wirst nie wieder ein US-Pass haben. Du kannst nicht mehr ohne Visum in die USA reisen - selbst für einen Kurzbesuch. Du musst ein Visum beantragen - und das ist kein Selbstgänger. Du musst nachweisen, dass du nicht in die USA einwandern willst. Das ist schwer, wenn du vorher US-Bürger warst.
Du bist auch nicht mehr vor US-Sanktionen geschützt. Wenn du in einem Land lebst, das von den USA sanktioniert wird - etwa Iran oder Nordkorea -, dann kannst du nicht mehr auf den Schutz der US-Botschaft zählen. Du bist ein Ausländer. Punkt.
Und: Du zahlst immer noch Steuern auf US-Quellen. Wenn du eine Immobilie in Florida besitzt und Mieteinnahmen bekommst - diese werden weiterhin von den USA besteuert. Dasselbe gilt für Dividenden von US-Aktien. Die USA haben immer noch ein Auge auf dich - nur nicht mehr als Bürger, sondern als Ausländer mit US-Einkünften.
Warum tun es trotzdem so viele?
Weil die Alternative noch schlimmer ist. Stell dir vor: Du hast 5 Millionen Dollar in Bitcoin. Du hast sie vor zehn Jahren für 100 Dollar gekauft. Du hast sie nie verkauft - aber du musst jedes Jahr die Wertsteigerung als "verkauft" melden. Und du zahlst 37 % Steuern auf den Gewinn - obwohl du das Geld nie gesehen hast. Das ist nicht nur unfair. Das ist ein finanzieller Selbstmord.
Ein echter Fall aus 2024: Ein Investor aus San Francisco, der 2017 Bitcoin gekauft hat, hatte bis 2023 eine steuerliche Last von 890.000 Dollar. Er lebte seit 2020 in Zürich. Er gab die Staatsbürgerschaft auf - und zahlte 1,1 Millionen Dollar Exit Tax. Aber er sparte in den nächsten zehn Jahren über 4 Millionen Dollar an US-Steuer. Die Rechnung ging auf.
Es ist kein Weg für alle. Aber für die, die wirklich viel in Krypto investiert haben - und die bereit sind, alles hinter sich zu lassen - ist es der einzige Weg, um zu überleben.
Was ist das Risiko?
Das größte Risiko ist: Du machst einen Fehler. Und dann ist es zu spät.
Wenn du Form 8854 nicht einreicht - das ist die offizielle Erklärung, dass du deine Staatsbürgerschaft aufgegeben hast - dann wirst du weiterhin als US-Bürger besteuert. Und du bekommst Strafen. Und du kannst nicht einfach sagen: "Ich hab’s vergessen."
Wenn du deine Vermögenswerte zu früh überträgst - oder zu spät - dann zahlt die IRS dich trotzdem als "covered expatriate". Und du zahlst mehr als nötig.
Und wenn du keine zweite Staatsbürgerschaft hast - dann bist du nach der Aufgabe staatenlos. Kein Pass. Kein Recht auf Arbeit. Kein Zugang zu Sozialsystemen. Das ist kein Risiko - das ist ein Selbstmord.
Die meisten, die es versuchen, scheitern an der Planung. Nicht an der Steuer. Nicht an der Gebühr. Sondern an der Unkenntnis. Sie denken: "Ich kann das selbst machen." Aber das ist wie eine Gehirnoperation mit einem Küchenmesser.
Was sagt die Zukunft?
Die USA diskutieren seit Jahren, ob sie nicht auf eine Wohnsitzsteuer umstellen sollen - also wie fast alle anderen Länder. Aber bis 2026 ist nichts passiert. Der Kongress hat keine Mehrheit dafür. Die Lobby der Banken und der Steuerberater ist zu stark. Die USA bleiben bei ihrer alten Regel: Wer amerikanischer Bürger ist, zahlt - egal wo er ist.
Einige Experten glauben, dass die nächste Generation von Krypto-Investoren gar nicht erst US-Bürger wird. Sie ziehen nach Portugal, nach Georgien, nach Zürich - und bauen ihre Vermögen dort auf. Sie vermeiden die US-Steuer von Anfang an. Das ist der neue Trend.
Die Zahl der Aufgaben wird weiter steigen. Nicht weil es leicht ist. Sondern weil es für manche die einzige Möglichkeit ist, nicht bankrott zu gehen.
Kann man die US-Staatsbürgerschaft nach der Aufgabe wiederbekommen?
Nein. Die Aufgabe der US-Staatsbürgerschaft ist endgültig. Selbst wenn du später in die USA zurückkehrst, kannst du nicht einfach deinen Pass zurückbekommen. Du müsstest dich wie ein Ausländer neu einbürgern lassen - und das ist extrem schwierig, teuer und oft unmöglich, wenn du vorher US-Bürger warst.
Muss ich alle meine Krypto-Wallets deklarieren, bevor ich aufgebe?
Ja. Du musst für die letzten fünf Jahre alle US-Steuererklärungen abgegeben haben - inklusive der Angabe deiner Krypto-Transaktionen. Wenn du nie eine Erklärung abgegeben hast, wirst du automatisch als "covered expatriate" eingestuft - und zahlst die Exit Tax. Selbst wenn du keine Gewinne gemacht hast, musst du "Null-Einkommen" melden.
Zahle ich die Exit Tax nur auf Krypto, oder auch auf Immobilien und Aktien?
Die Exit Tax gilt für alle Vermögenswerte weltweit - also auch Immobilien, Aktien, Privatflugzeuge, Kunstwerke und Krypto-Wallets. Die IRS berechnet den Wert aller Vermögenswerte am Tag vor deiner Aufgabe - und besteuert den Gewinn, den du seit dem Erwerb gemacht hast. Krypto ist nur ein Teil davon.
Was passiert, wenn ich nach der Aufgabe wieder in die USA reise?
Du kannst nicht mehr ohne Visum einreisen. Du brauchst ein Touristen- oder Arbeitsvisum. Du musst nachweisen, dass du nicht in die USA einwandern willst - und dass du keine Absicht hast, dauerhaft zu bleiben. Die US-Beamten prüfen deine Vergangenheit genau - und viele ehemalige Bürger werden abgelehnt.
Ist es legal, die Staatsbürgerschaft wegen Steuern aufzugeben?
Ja, es ist legal. Die USA erlauben es ausdrücklich. Es ist nicht Steuerhinterziehung - es ist Steuerplanung. Aber es ist teuer, komplex und endgültig. Du musst einen Anwalt und einen Steuerberater haben - sonst riskierst du, mehr zu zahlen als nötig - oder sogar strafrechtlich belangt zu werden.
Alexander Kim
Februar 26, 2026 AT 09:06