13Januar
Wie Distributed Ledger Technology in Kryptowährungen funktioniert
Veröffentlicht von Edward Windsor

Stell dir vor, du schickst jemandem 1 Bitcoin. Keine Bank, kein Vermittler, keine zentrale Instanz - nur du, der Empfänger und Tausende Computer auf der ganzen Welt, die gemeinsam entscheiden, ob die Transaktion echt ist. Das ist die Grundidee hinter Distributed Ledger Technology - und sie verändert, wie Geld funktioniert.

Was ist Distributed Ledger Technology?

Distributed Ledger Technology (DLT) ist kein einzelnes Programm oder eine App. Es ist ein System, bei dem eine Datenbank nicht auf einem Server bei einer Bank oder einem Unternehmen liegt, sondern auf Hunderten oder Tausenden von Computern verteilt ist. Jeder dieser Computer - man nennt sie Nodes - hat eine exakt identische Kopie der gesamten Transaktionshistorie. Wenn jemand eine neue Transaktion startet, wird sie an alle Nodes gesendet. Jeder prüft sie unabhängig. Und erst wenn die Mehrheit zustimmt, wird sie in die gemeinsame Liste eingetragen.

Das ist der große Unterschied zu traditionellen Banken. Bei einer Bank hast du nur eine einzige Datenbank, die von einem Team verwaltet wird. Wenn die Server ausfallen, ist alles blockiert. Wenn jemand sie hackt, kann er Konten manipulieren. Bei DLT gibt es keinen einzigen Punkt, den man angreifen kann. Du musst gleichzeitig Tausende Computer überlisten - und das ist praktisch unmöglich.

Wie wird eine Transaktion bestätigt?

Wenn du 0,5 Ethereum an einen Freund sendest, passiert nicht sofort etwas. Deine Transaktion wird als Nachricht an das Netzwerk gesendet. Jeder Node erhält sie und prüft:

  1. Ob du tatsächlich die Ethereum besitzt, die du senden willst (durch deine digitale Signatur).
  2. Ob du sie schon mal ausgegeben hast (Double-Spending-Prüfung).
  3. Ob die Regeln des Netzwerks eingehalten werden.

Dann kommt der entscheidende Schritt: der Konsensmechanismus. Das ist die Regel, die festlegt, wie alle Nodes übereinstimmen. Bei Bitcoin ist das Proof of Work. Miner lösen komplexe mathematische Rätsel, um neue Blöcke zu erstellen. Wer das Rätsel als Erster löst, darf den neuen Block hinzufügen - und bekommt dafür neue Bitcoins als Belohnung. Andere Netzwerke wie Ethereum 2.0 nutzen Proof of Stake: Hier entscheidet nicht Rechenleistung, sondern wie viel Kryptowährung jemand im Netzwerk „einsetzt“. Je mehr du einsetzt, desto höher ist deine Chance, den nächsten Block zu erstellen.

Wichtig: Kein Node entscheidet allein. Es muss eine Mehrheit zustimmen. Wenn 51 % der Nodes eine Transaktion als gültig anerkennen, wird sie endgültig. Und wenn jemand versucht, eine falsche Transaktion einzuschleusen? Die anderen Nodes lehnen sie ab. Die falsche Version wird ignoriert. Die echte Version bleibt stehen.

Blockchain ist nicht dasselbe wie DLT

Viele Menschen sagen „Blockchain“, wenn sie DLT meinen. Das ist falsch. Blockchain ist nur eine Art von DLT - die bekannteste, aber nicht die einzige.

Bei einer Blockchain werden Transaktionen in Blöcken gespeichert. Jeder neue Block enthält eine Liste von Transaktionen und einen kryptografischen Fingerabdruck des vorherigen Blocks. So entsteht eine Kette - ein unveränderlicher, zeitlich geordneter Verlauf. Wenn jemand einen Block verändert, ändert sich auch sein Fingerabdruck. Und dann passt er nicht mehr zum nächsten Block. Jeder Node merkt sofort: Da stimmt was nicht.

Aber DLT kann auch anders aussehen. Einige Systeme nutzen sogenannte DAGs (Directed Acyclic Graphs), bei denen Transaktionen nicht in Blöcken, sondern als einzelne Knoten in einem Netzwerk verbunden sind. IOTA nutzt so ein System. Andere nutzen Hashgraphs oder andere Strukturen. Blockchain ist also ein Teil von DLT - nicht die ganze Wahrheit.

Vergleich zwischen einer zentralen Bankdatenbank unter Angriff und einem dezentralen Knotennetzwerk, das betrügerische Transaktionen ablehnt.

Öffentlich vs. privat: Wer darf mitmachen?

Nicht alle DLTs sind gleich. Es gibt zwei Haupttypen:

  • Öffentliche, berechtigungsfreie Netzwerke: Jeder kann mitmachen. Du brauchst keine Einladung. Bitcoin und Ethereum sind so aufgebaut. Sie sind vollständig dezentral. Wer auch immer einen Computer hat, kann ein Node werden. Das macht sie sicher - aber auch langsam und energieintensiv.
  • Private, berechtigte Netzwerke: Nur ausgewählte Teilnehmer dürfen mitmachen. Banken, Regierungen oder Unternehmen nutzen diese Form, um interne Prozesse zu digitalisieren. Hier wird nicht über Kryptowährungen abgestimmt, sondern über Rollen und Berechtigungen. Diese Systeme sind schneller und effizienter - aber sie verlieren den Kern von DLT: die Dezentralisierung. Es gibt immer noch eine zentrale Autorität, die entscheidet, wer dabei sein darf.

Die echte Kraft von DLT entfaltet sich nur in öffentlichen, berechtigungsfreien Netzwerken. Denn dort liegt die Kontrolle nicht bei einer Firma oder einem Staat - sondern bei den Nutzern selbst.

Warum ist das besser als traditionelle Systeme?

DLT hat vier klare Vorteile gegenüber Banken und zentralen Systemen:

  1. Keine zentrale Kontrolle: Niemand kann deine Transaktion blockieren, weil er sie nicht mag. Kein Regierungsbeamter kann dein Geld einfrieren.
  2. Transparenz: Jeder kann die gesamte Transaktionshistorie einsehen. Du kannst nachprüfen, ob jemand wirklich 1000 Bitcoin besitzt - ohne jemanden zu fragen.
  3. Unveränderlichkeit: Sobald eine Transaktion in den Ledger eingetragen ist, kann sie nicht mehr gelöscht oder geändert werden. Das schafft Vertrauen.
  4. Reduzierte Kosten: Keine Vermittler = weniger Gebühren. Keine teuren Abrechnungssysteme zwischen Banken. Transaktionen werden direkt von Nutzer zu Nutzer abgewickelt.

Das bedeutet: Du bist dein eigener Bankier. Du kontrollierst deine Schlüssel. Du vertraust nicht auf eine Institution - sondern auf Mathematik und Code.

Stadtlandschaft mit DLT-Anwendungen: Grundbuchübertragung, Lieferketten-Tracking und digitale Abstimmung, verbunden durch Datenströme und einen privaten Schlüssel in sicherer Aufbewahrung.

Wo wird DLT schon heute genutzt?

Obwohl DLT für Kryptowährungen entwickelt wurde, findet es immer mehr Anwendungen außerhalb von Bitcoin und Ethereum.

  • Immobilien: In der Schweiz und in Estland werden Grundbücher bereits mit DLT geführt. Eigentumsübertragungen laufen schneller und ohne Papierkram.
  • Stimmabgabe: In einigen Gemeinden wird getestet, ob Wahlen über ein dezentrales System sicherer und transparenter ablaufen können.
  • Supply Chain: Lebensmittelhersteller nutzen DLT, um den Weg eines Produkts von der Farm bis zum Supermarkt nachzuverfolgen - und zu beweisen, dass es wirklich bio oder fair gehandelt ist.
  • Steuern: Länder wie Schweden testen DLT, um Steuererklärungen automatisch mit Bankdaten abzugleichen - ohne dass Bürger alles manuell eintragen müssen.

Die Technologie ist nicht perfekt. Sie ist langsam, verbraucht Energie (bei Proof of Work) und schwer zu verstehen. Aber sie funktioniert. Und sie funktioniert ohne Vermittler.

Was bleibt zu lösen?

DLT hat noch Probleme. Die größten:

  • Skalierbarkeit: Bitcoin kann nur 7 Transaktionen pro Sekunde verarbeiten. Visa schafft 24.000. Das ist kein Vergleich.
  • Energieverbrauch: Proof of Work verbraucht viel Strom - obwohl Ethereum das seit 2022 abgeschafft hat.
  • Benutzerfreundlichkeit: Private Schlüssel verlieren? Dann ist dein Geld weg - für immer. Kein Kundenservice, der es zurückgibt.
  • Regulierung: Wer haftet, wenn etwas schiefgeht? Wer entscheidet über Updates? Das ist noch unklar.

Aber die Entwicklung geht schnell. Layer-2-Lösungen wie Lightning Network für Bitcoin oder Rollups für Ethereum erhöhen die Geschwindigkeit dramatisch. Neue Konsensmechanismen wie Proof of Stake sind viel energieeffizienter. Und Apps werden immer einfacher - manche lassen dich jetzt mit einem Passwort und einem Fingerabdruck Kryptowährungen senden, ohne jemals einen privaten Schlüssel gesehen zu haben.

Was bedeutet das für dich?

Distributed Ledger Technology ist nicht nur Technik. Es ist ein neues Modell für Vertrauen. Du musst nicht mehr darauf vertrauen, dass eine Bank ehrlich ist. Du musst nur darauf vertrauen, dass die Mathematik funktioniert - und dass das Netzwerk stark genug ist, um Manipulationen abzuwehren.

Wenn du Geld überweist, hast du jetzt die Wahl: Du kannst auf eine Bank vertrauen - oder auf ein Netzwerk aus Tausenden von Computern, die alle dasselbe sehen. Die Technik ist da. Die Frage ist nur: Willst du sie nutzen?

Ist Blockchain dasselbe wie Distributed Ledger Technology?

Nein. Blockchain ist eine Form von Distributed Ledger Technology (DLT), aber nicht die einzige. DLT ist der übergeordnete Begriff - es beschreibt alle Systeme, bei denen eine Datenbank verteilt und synchronisiert wird. Blockchain nutzt Blöcke, die miteinander verkettet sind, um Transaktionen zu speichern. Andere DLT-Systeme wie DAGs oder Hashgraphs nutzen andere Strukturen. Alle Blockchains sind DLTs - aber nicht alle DLTs sind Blockchains.

Warum braucht DLT einen Konsensmechanismus?

Weil es keine zentrale Autorität gibt. In einer Bank entscheidet der Administrator, was gültig ist. Bei DLT muss das Netzwerk selbst entscheiden, welche Transaktionen echt sind. Der Konsensmechanismus ist die Regel, die festlegt, wie diese Entscheidung getroffen wird - durch Rechenleistung (Proof of Work), durch eingesetzte Kryptowährung (Proof of Stake) oder andere Methoden. Ohne Konsens könnte jemand dieselben Coins zweimal ausgeben - und das Netzwerk wäre unbrauchbar.

Kann man DLT hacken?

Ein einzelner Node zu hacken bringt nichts - alle anderen haben immer noch die echte Version der Daten. Der einzige echte Angriff wäre ein 51%-Angriff: Wenn jemand die Kontrolle über mehr als die Hälfte der Rechenleistung oder des eingesetzten Kapitals bekommt, könnte er Transaktionen rückgängig machen oder doppelte Ausgaben erlauben. Das ist bei großen Netzwerken wie Bitcoin oder Ethereum praktisch unmöglich - es würde Milliarden kosten und wäre nicht rentabel. Bei kleinen Netzwerken ist es theoretisch möglich - aber das ist kein Problem der Technik, sondern der Größe des Netzwerks.

Was passiert, wenn ich meinen privaten Schlüssel verliere?

Dein Geld ist für immer verloren. DLT ist dezentral - es gibt keine Bank, die dich identifiziert und dein Konto zurücksetzt. Dein privater Schlüssel ist deine einzige Identität im Netzwerk. Wenn du ihn verlierst, kannst du keine Transaktionen mehr starten. Niemand kann ihn wiederherstellen. Deshalb ist es so wichtig, ihn sicher zu speichern - auf einem Hardware-Wallet, in einem verschlüsselten Backup oder auf Papier - und nie jemandem zu verraten.

Ist DLT nur für Kryptowährungen nützlich?

Nein. DLT kann überall eingesetzt werden, wo Vertrauen, Transparenz und Unveränderlichkeit wichtig sind. Das gilt für Grundbücher, Lieferketten, Abstimmungen, medizinische Akten, Zertifikate und sogar digitale Identitäten. In der Schweiz wird DLT bereits in der Verwaltung getestet - zum Beispiel für die digitale Übertragung von Eigentumsrechten. Die Technik ist neutral. Es kommt nur darauf an, wie man sie nutzt.

Über

BissFest ist die Krypto-Plattform mit Biss – fundiertes Wissen, fest verankert. Entdecke verständliche Guides zu Blockchain, Coins, Wallets und DeFi. Vergleiche Krypto-Börsen, sichere dir Airdrops und bleibe mit Analysen und News up to date. Für Einsteiger und Fortgeschrittene gleichermaßen geeignet. Starte souverän in die Welt der Kryptowährungen mit klaren Tutorials, Tools und Tipps.