11April
NFT Royalties erklärt: So funktionieren Tantiemen bei digitalen Kunstwerken
Veröffentlicht von Edward Windsor
Stellen Sie sich vor, Sie verkaufen ein Gemälde für 100 Euro. Jahre später wird dieses Bild auf einer Auktion für eine Million Euro versteigert. In der traditionellen Kunstwelt sehen Sie von diesem riesigen Gewinn keinen Cent. Das ist unfair, oder? Genau hier setzen NFT Royalties ist ein automatisiertes Vergütungssystem auf Blockchain-Basis, das es Urhebern ermöglicht, bei jedem Weiterverkauf ihrer digitalen Werke einen Prozentsatz des Verkaufspreises zu erhalten an. Es ist im Grunde ein digitaler Deal, der sicherstellt, dass Künstler an ihrem eigenen Erfolg teilhaben, egal wie oft ein Werk die Besitzer wechselt.

Damit das Ganze funktioniert, braucht es eine technische Grundlage. Das Herzstück sind Smart Contracts ist selbsteausführende Verträge, die direkt auf einer Blockchain gespeichert sind und vordefinierte Regeln ohne menschliche Zwischenschaltung umsetzen . Wenn ein Künstler ein NFT prägt, schreibt er die Bedingungen für die Tantiemen direkt in diesen Code. Er legt fest: "Bei jedem zukünftigen Verkauf gehen X Prozent des Preises an meine Wallet". Das ist kein Versprechen auf einem Stück Papier, sondern eine mathematische Anweisung, die das Netzwerk ausführt.

Wie NFT Royalties technisch im Detail arbeiten

Der Prozess beginnt beim sogenannten Minting. Hier wird das digitale Asset auf einer Blockchain, meistens Ethereum ist eine Open-Source-Blockchain-Plattform, die Smart Contracts ermöglicht und die Basis für die meisten NFT-Projekte bildet , erstellt. In diesem Moment wird die Royalty-Rate festgelegt. Üblicherweise liegt diese zwischen 5 % und 10 %, aber der Creator hat hier die volle Kontrolle.

Wenn nun ein Käufer das NFT auf einem Sekundärmarkt erwirbt, passiert im Hintergrund Folgendes: Der Smart Contract erkennt die Transaktion, berechnet den Anteil der Tantiemen basierend auf dem aktuellen Preis und splittet die Zahlung sofort auf. Ein Teil geht an den Verkäufer, der andere Teil landet direkt in der Wallet des ursprünglichen Künstlers. Alles passiert in Echtzeit, transparent und ohne dass ein Anwalt oder ein Buchhalter eingreifen muss.

Vergleich: Traditioneller Kunstmarkt vs. NFT Royalties
Merkmal Traditionelle Kunst NFT Royalties
Primärverkauf Künstler erhält Geld Künstler erhält Geld
Sekundärhandel Kein Geld für Künstler Automatisierte %-Zahlung
Durchsetzung Rechtliche Verträge/Gerichte Programmierter Smart Contract
Transparenz Oft intransparent/Privat Öffentliche Blockchain-Historie

Das Beeple-Beispiel: Wenn Passives Einkommen explodiert

Um zu verstehen, warum das ein Gamechanger ist, schauen wir uns den Fall von Beeple an. Im Februar 2021 wurde sein Werk "Crossroads" auf dem Zweitmarkt für satte 6,6 Millionen Dollar verkauft. Weil Beeple eine Royalty-Rate von 10 % in seinem Smart Contract hinterlegt hatte, erhielt er automatisch 660.000 Dollar aus diesem einen einzigen Trade. Im klassischen Kunstbetrieb wäre dieser Betrag komplett beim Galeristen oder dem vorherigen Besitzer hängengeblieben.

Das zeigt deutlich: NFT Royalties verwandeln digitale Kunst in eine Art Vermögenswert, der dem Schöpfer lebenslang Dividenden zahlen kann. Es ist eine Verschiebung der Machtverhältnisse weg von den Zwischenhändlern hin zu den eigentlichen Produzenten. In der Web3-Welt geht es genau darum: Dezentralisierung und die direkte Verbindung zwischen Creator und Sammler.

Schematische Darstellung eines Smart Contracts, der Zahlungen zwischen Verkäufer und Künstler aufteilt.

Die große Schwachstelle: Das Problem der optionalen Royalties

Klingt alles perfekt? Leider nicht. In der Realität gibt es einen heftigen Konflikt zwischen Künstlern und den Marktplätzen. Plattformen wie Magic Eden ist ein führender NFT-Marktplatz, der besonders für seine Integration von Solana- und Ethereum-Assets bekannt ist oder LooksRare haben festgestellt, dass Trader lieber dort kaufen, wo sie keine Tantiemen zahlen müssen. Warum? Weil es die Marge erhöht.

Das führte dazu, dass viele Marktplätze Royalties "optional" gemacht haben. Der Käufer oder Verkäufer kann nun entscheiden, ob er den Künstler unterstützen will oder nicht. Da Smart Contracts oft nicht die gesamte Macht über externe Marktplatz-Interfaces haben, können Plattformen die Auszahlung der Tantiemen einfach ignorieren. Das untergräbt das ursprüngliche Versprechen der Technologie massiv.

Experten wie Pratin Vallabhaneni von der Kanzlei White & Case weisen darauf hin, dass Smart Contracts zwar technisch brillant sind, aber keine rechtliche Durchsetzungskraft haben, wenn die Plattform entscheidet, sie nicht zu bedienen. Wir haben hier also ein technologisches Tool, das an die kommerziellen Interessen von Unternehmen gebunden ist.

Reaktionen der Community und Lösungsansätze

Die Künstler-Community lässt das natürlich nicht auf sich sitzen. Es gibt Versuche, den Druck auf die Plattformen zu erhöhen. Ein Beispiel ist ImmutableX ist eine Layer-2-Skalierungslösung für Ethereum, die gaslose NFT-Transaktionen ermöglicht , das eine Art Blacklist für Marktplätze initiierte, die sich weigern, Royalties zu zahlen. Die Idee: Wenn eine Plattform die Künstler ausbeutet, wird sie von der Community gebrandmarkt und gemieden.

Es gibt auch technische Ansätze, um Royalties "on-chain" zu erzwingen, sodass sie unabhängig vom Marktplatz funktionieren. Das ist jedoch komplex, da viele NFTs auf Standards basieren, die die Kontrolle über den Transfer an den Marktplatz abgeben, sobald das Item dort gelistet wird. Die Branche sucht derzeit noch nach einem stabilen Gleichgewicht zwischen dem Wunsch der Trader nach maximalem Profit und dem Recht der Künstler auf eine faire Vergütung.

Digitale Künstler protestieren vor einem NFT-Marktplatz gegen optionale Tantiemen.

Strategien für Creator: So sichern Sie Ihre Einnahmen

Wenn Sie heute digitale Werke erstellen, sollten Sie nicht blind vertrauen. Es gibt ein paar Faustregeln, um Ihre Einnahmen zu optimieren:

  • Plattformwahl: Prüfen Sie genau, wie ein Marktplatz mit Royalties umgeht. Manche setzen auf "Enforced Royalties", was bedeutet, dass die Zahlung zwingend ist.
  • Community-Bindung: Bauen Sie eine starke Marke auf. Sammler, die Ihren Wert schätzen, zahlen Royalties oft freiwillig, weil sie wollen, dass Sie weiter produzieren.
  • Diversifizierung: Verlassen Sie sich nicht nur auf den Zweitmarkt. Nutzen Sie Utility-NFTs, bei denen der Besitzer exklusive Vorteile erhält, was den Wert des Tokens steigert und die Handelsaktivität (und damit die Tantiemen) erhöht.

Sind NFT Royalties gesetzlich vorgeschrieben?

Nein, sie sind keine gesetzlichen Anforderungen im klassischen Sinne. Es handelt sich um programmierbare Vereinbarungen innerhalb eines Smart Contracts. Ob sie tatsächlich ausgezahlt werden, hängt momentan stark von den Nutzungsbedingungen und der technischen Umsetzung des jeweiligen Marktplatzes ab.

Wie hoch ist die übliche Royalty-Rate?

Die meisten Künstler setzen ihre Tantiemen zwischen 2,5 % und 10 % fest. Ein zu hoher Prozentsatz kann jedoch abschreckend auf Sammler wirken, da er die Kosten beim Weiterverkauf erhöht und die Liquidität des Assets senkt.

Was passiert, wenn ein NFT privat (ohne Marktplatz) übertragen wird?

Das ist die große Schwachstelle. Wenn zwei Personen ein NFT direkt von Wallet zu Wallet schicken, ohne eine Plattform zu nutzen, wird der Smart Contract des Marktplatzes nicht ausgelöst. In diesem Fall fließen oft keine Royalties, es sei denn, der Standard des NFT selbst (z.B. bestimmte EIP-Erweiterungen) erzwingt die Zahlung auf Protokollebene.

Können Royalties nach dem Minting geändert werden?

In der Regel nein, da Smart Contracts unveränderlich sind. Es gibt jedoch modernere Standards, die es dem Creator erlauben, die Royalty-Parameter über eine Verwaltungsfunktion zu aktualisieren. Das hängt davon ab, wie der ursprüngliche Vertrag geschrieben wurde.

Welche Blockchains unterstützen Royalties am besten?

Ethereum ist der Pionier und bietet die umfangreichste Infrastruktur. Aber auch Netzwerke wie Solana oder Polygon unterstützen diese Mechanismen. Die Unterstützung hängt jedoch weniger von der Blockchain selbst als vielmehr von den darauf aufbauenden Marktplätzen ab.

Nächste Schritte und Fehlervermeidung

Wenn Sie als Creator einsteigen, vermeiden Sie den Fehler, Royalties als "garantiertes Einkommen" zu betrachten. Der Markt ist volatil und die Durchsetzung ist instabil. Setzen Sie stattdessen auf eine Kombination aus fairen Tantiemen und einem klaren Nutzenversprechen für Ihre Käufer.

Für Sammler bedeutet das: Wenn Sie ein Werk kaufen, prüfen Sie, ob der Künstler fair entlohnt wird. Der langfristige Wert eines NFT-Projekts hängt oft davon ab, ob der Schöpfer motiviert bleibt, das Projekt weiterzuentwickeln. Ein Künstler, der keine Royalties erhält, hat weniger Anreiz, den Wert seiner Kollektion über Jahre hinweg zu steigern.

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