14März
Sind Kryptozahlungen in Iran erlaubt? Die aktuelle Rechtslage 2026
Veröffentlicht von Edward Windsor

Im Jahr 2026 ist die Antwort auf die Frage, ob Kryptozahlungen in Iran erlaubt sind, klar: Nein - zumindest nicht in der Form, wie die meisten Menschen sie verstehen. Es gibt keine freien, peer-to-peer-Kryptowährungstransaktionen für Waren und Dienstleistungen. Doch gleichzeitig ist das Land nicht komplett aus dem Krypto-Markt ausgestiegen. Es herrscht ein System aus strenger Kontrolle, staatlicher Überwachung und selektiver Zulassung - ein Spiegelbild der iranischen Wirtschaftspolitik: Alles, was außerhalb der staatlichen Kontrolle liegt, wird unterdrückt. Alles, was Einkommen bringt, wird reguliert - und genutzt.

Was genau ist erlaubt? Mining ja, Zahlungen nein

Kryptowährungs-Mining ist in Iran legal - aber nur unter strengen Bedingungen. Seit 2019 hat die Regierung Bergbau als Einnahmequelle akzeptiert, besonders weil internationale Sanktionen den Zugang zu traditionellen Finanzsystemen blockieren. Doch diese Legalität hat einen Haken: Jeder Miner muss eine Lizenz vom Ministerium für Industrie, Bergbau und Handel erhalten. Er darf nur mit genehmigter Hardware arbeiten und muss den Strompreis zahlen, den die Regierung festlegt - ein Preis, der oft höher ist als der Marktwert der mined Coins.

Und hier kommt der entscheidende Punkt: Jeder gefundene Bitcoin, Ethereum oder andere Coin muss direkt an die Zentralbank von Iran verkauft werden. Der Staat kauft die Kryptowährungen auf, um sie dann international einzusetzen - etwa als Gegenwert für Importe, die sonst durch Sanktionen unmöglich wären. So wird Mining nicht zum Privatvergnügen, sondern zu einem staatlichen Finanzinstrument.

Warum sind Zahlungen verboten? Die Angst vor dem Rial-Verfall

Der Grund, warum normale Bürger keine Kryptowährung für ihren Kaffee, ihre Rechnung oder ihren Online-Shop nutzen dürfen, liegt in der Währung: dem Rial. Seit Jahren verliert der Rial an Wert. Inflation, Sanktionen, politische Instabilität - alles treibt die Preise nach oben. Viele Iraner haben deshalb schon lange auf Kryptowährungen gesetzt, um ihr Geld zu schützen. Sie tauschen Rial gegen Bitcoin, halten es, und tauschen es später wieder zurück - wenn der Rial weiter gefallen ist.

Das ist genau das, was die Regierung nicht will. Wenn jeder Kryptowährung als Ersatzwährung nutzt, verliert der Staat die Kontrolle über Geldflüsse, Zinsen und Inflation. Deshalb hat die Zentralbank von Iran im Dezember 2024 alle Internet-gestützten Wechselmöglichkeiten zwischen Rial und Kryptowährung blockiert. Kein Online-Exchange mehr. Kein direkter Kauf. Kein Verkauf.

Doch dann kam die Kehrtwende: Im Januar 2025 erlaubte die Zentralbank wieder Wechsel, aber nur über ihre eigenen, genehmigten Plattformen. Diese Plattformen nutzen eine staatliche API, die alle Transaktionen, Benutzerdaten, Zeitstempel und Beträge an die Regierung sendet. Es ist kein freier Markt mehr - es ist ein Überwachungsnetzwerk.

Die Werbe- und Marketing-Verbote: Kein Wort über Krypto

Im Februar 2025 ging die Regierung noch einen Schritt weiter: Sie verbot jegliche Form der Werbung für Kryptowährungen. Das gilt für Social-Media-Posts, Anzeigen in Zeitungen, Banner auf Webseiten, sogar für Plakate an Straßenbahnhaltestellen. Wer Krypto bewirbt, riskiert hohe Geldstrafen oder sogar Haft. Diese Maßnahme hat ein klares Ziel: Die Bevölkerung soll nicht neugierig werden. Keine neuen Nutzer. Keine neuen Transaktionen. Keine neuen Ideen.

Das funktioniert - aber nur teilweise. Viele Iraner nutzen VPNs, um auf ausländische Börsen wie Binance oder Coinbase zuzugreifen. Sie tauschen dort Kryptowährungen, speichern sie in Wallets, und nutzen sie, um ausländische Dienste zu bezahlen. Doch innerhalb Irans bleibt der Handel mit Kryptowährungen für den Alltag verboten.

Technische Illustration: Iraner versuchen, mit Bitcoin zu zahlen – verboten – oder nutzen nur staatlich kontrollierte Börsen.

Die Rolle von Nobitex und die Zensur durch Tether

Nobitex ist die größte iranische Krypto-Börse. Sie ist nicht illegal - aber sie ist vollständig unter staatlicher Kontrolle. Sie muss alle Transaktionen protokollieren, KYC-Checks durchführen und jede Zahlung an die Zentralbank melden. Selbst wenn jemand mit Nobitex Bitcoin kauft, darf er damit nicht in einem Laden bezahlen. Es ist nur ein Umweg, um Rial in Krypto zu verwandeln - und zurück.

Im Juli 2025 hat Tether, der Betreiber von USDT, eine der größten Aktionen gegen Iran durchgeführt: 42 Wallet-Adressen wurden eingefroren, viele davon mit direktem Bezug zu Nobitex. Das zeigt: Internationale Finanzsysteme sehen Irans Krypto-Nutzung als Sanktionsumgehung. Sie wollen nicht, dass Iran mit Krypto Gelder transferiert, um Öl, Medikamente oder Technologie zu kaufen. Deshalb greifen sie direkt ein - und die iranische Regierung kann nichts dagegen tun.

Der digitale Rial: Der Staat will sein eigenes Geld

Anstatt Kryptowährungen zu verbieten, versucht die Regierung, sie zu ersetzen. Sie entwickelt einen digitalen Rial - eine zentrale digitale Währung (CBDC), die nicht dezentral, nicht anonym und nicht minbar ist. Sie wird von der Zentralbank kontrolliert, kann nicht gehortet werden, und jede Transaktion wird protokolliert. Es ist nicht Bitcoin. Es ist das genaue Gegenteil: eine digitale Version des Rial, mit noch mehr Kontrolle.

Der digitale Rial wird auf Kish Island getestet, einer Insel mit speziellen wirtschaftlichen Regeln. Dort sollen Bürger lernen, mit der digitalen Währung zu zahlen - und sich daran gewöhnen, dass jede Transaktion überwacht wird. Wenn das funktioniert, könnte es bald im ganzen Land eingeführt werden.

Technische Illustration: Der digitale Rial als kontrollierte digitale Währung, die jede Transaktion überwacht.

Wie viel Geld fließt wirklich durch Krypto in Iran?

Zwischen Januar und Juli 2025 betrugen die gesamten Krypto-Transaktionen in Iran etwa 3,7 Milliarden US-Dollar - ein Rückgang von 11 % gegenüber 2024. Das zeigt: Die Regulierungen wirken. Aber sie stoppen den Markt nicht. Sie zwingen ihn nur in die Schatten. Tausende von illegalen Minern arbeiten noch immer in Kelleranlagen, mit gestohlenem Strom, um Kryptowährungen zu schürfen. Die Regierung hat bereits mehrere Großanlagen entdeckt, die für die Stromversorgung von ganzen Städten verantwortlich waren. Einige wurden geschlossen. Andere wurden einfach von der Regierung übernommen.

Im Jahr 2020 lag der tägliche Handel mit Kryptowährungen in Iran zwischen 16 und 20 Millionen US-Dollar. Heute ist es weniger - aber nicht, weil die Menschen aufgehört haben. Sondern weil sie vorsichtiger geworden sind. Sie nutzen jetzt eher private Wallets, Peer-to-Peer-Tauschbörsen und verschlüsselte Gruppen, um Transaktionen abzuwickeln - ohne digitale Spuren.

Fazit: Kein Freiheit, sondern Kontrolle

Kryptozahlungen in Iran sind nicht verboten - sie sind nur nicht erlaubt. Der Staat erlaubt Mining, wenn er es kontrollieren kann. Er erlaubt Wechsel, wenn er alles sehen kann. Er verbietet Werbung, um neue Nutzer zu stoppen. Und er baut eine eigene digitale Währung, um Krypto zu ersetzen - nicht zu akzeptieren.

Das ist kein Verbot. Das ist eine Umwandlung. Kryptowährung wird nicht abgeschafft. Sie wird staatlich vereinnahmt. Wer in Iran Krypto nutzt, tut es nicht, weil er Freiheit will. Er tut es, weil er keine andere Wahl hat. Und die Regierung nutzt das aus - mit einer Präzision, die in keinem anderen Land der Welt zu finden ist.

Kann ich in Iran Kryptowährungen kaufen und verkaufen?

Ja - aber nur über genehmigte Plattformen wie Nobitex, die direkt mit der Zentralbank verbunden sind. Sie müssen Ihre Identität nachweisen, und alle Transaktionen werden protokolliert. Sie können nicht direkt von einer ausländischen Börse kaufen, ohne ein VPN zu nutzen - was rechtlich riskant ist. Der Verkauf von Kryptowährungen in Rial ist nur über staatliche Gateways erlaubt.

Ist Kryptomining in Iran legal?

Ja, aber nur mit einer Lizenz vom Ministerium für Industrie, Bergbau und Handel. Miner müssen genehmigte Hardware verwenden, einen staatlich festgelegten Strompreis zahlen und alle gemauschten Coins an die Zentralbank verkaufen. Viele Minen arbeiten illegal, weil die Kosten zu hoch sind - was zu Stromausfällen führt und zu Repressionen durch die Regierung.

Darf ich Kryptowährungen für Einkäufe in Iran nutzen?

Nein. Es ist gesetzlich untersagt, Kryptowährungen als Zahlungsmittel für Waren oder Dienstleistungen innerhalb Irans zu verwenden. Selbst wenn ein Händler Bitcoin akzeptiert, handelt er illegal. Die einzige erlaubte Nutzung ist der Wechsel über staatlich kontrollierte Börsen - nicht als Zahlung, sondern als Spekulation oder Geldwäsche-Vermeidung.

Warum verbietet Iran Werbung für Kryptowährungen?

Die Regierung will verhindern, dass neue Nutzer auf Kryptowährungen aufmerksam werden. Werbung würde die Nachfrage steigern, was die Stabilität des Rials weiter gefährdet. Außerdem würde es die Kontrolle über Geldströme erschweren. Das Verbot ist Teil einer Strategie, Krypto auf ein Minimum zu reduzieren - nur so weit, wie es dem Staat nützt.

Kann ich mit einer VPN-App ausländische Börsen nutzen?

Technisch ja - viele Iraner tun das. Aber rechtlich ist es riskant. Die Regierung verfolgt aktiv Nutzer, die VPNs nutzen, um auf ausländische Plattformen zuzugreifen. Es gibt Berichte von Festnahmen, Geldstrafen und Kontosperrungen. Es ist kein sicheres Mittel - sondern eine Grauzone, in der viele Menschen leben, weil sie keine bessere Wahl haben.

Was passiert mit den Kryptowährungen, die ich minen?

Wenn Sie lizenziert sind, müssen Sie alle gemauschten Coins an die Zentralbank von Iran verkaufen. Sie bekommen dafür Rial - zu einem Preis, den die Regierung festlegt. Sie können sie nicht behalten, nicht verkaufen, nicht tauschen. Der Staat nutzt diese Kryptowährungen, um Sanktionen zu umgehen - etwa für den Import von Medikamenten oder Technologie.

Wird der digitale Rial Kryptowährungen ersetzen?

Genau das ist das Ziel. Der digitale Rial ist keine Kryptowährung. Er ist eine zentrale digitale Währung, die die Regierung vollständig kontrolliert. Sie kann nicht minen, nicht anonym genutzt werden und jede Transaktion wird gespeichert. Die Regierung will damit die Bevölkerung von Kryptowährungen abbringen - und sie stattdessen in ein System zwingen, das sie vollständig überwachen kann.

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